Die totale Öffentlichkeit

Alle reden vom Datenschutz. Ich persönlich halte “Datenschutz” für ein Gerücht, eine Legende. Es gibt nur eine Person, die meine Daten zuverlässig schützen könnte. Und das bin ich.

Aber das widerum tue ich ja nicht. Im Gegenteil. Ich werfe mit meinen Daten nur so um mich, und das den ganzen Tag. Ich bin komplett vertwittert, verfacebookt, verwer-kennt-wen`t und verVZtet. In allen möglichen Foren steht über meine politische Gesinnung, meine Ischiasbeschwerden, Depressionen, meine sexuellen Neigungen oder meine Punktesammlung in Flensburg zu lesen, und die FKK-Strandbilder meiner 2- und 3jährigen Kinder sind für jeden potentiellen Pädophilen frei im Internet abrufbar. Wo genau, weiss ich freilich nicht, weil sie ja jeder Blödmann beliebig per rechte Maustaste kopieren, abspeichern, tauschen und in die schlüpfrigsten Nischenportale wieder einstellen kann.

Mal ganz ehrlich! Meine Oma ist noch an den Wohnzimmerschrank gegangen und hat das alte Fotoalbum rausgekramt, um uns an Geburtstagen unsere verstaubten Kinderfotos zu präsentieren. Meine Enkel werden eines Tages die Babybilder Ihrer Mutter vielleicht unter “Kinderpornografie” oder “verbotene 5jährige”" ergooglen können. Wie romantisch!
Aber darüber machen wir uns ja noch lange keine Gedanken, wenn wir allen Onlinespielen und Lotto-Websites unsere Adressen und Kontonummern schenken oder abends beim Gläschen Wein vorm Chat sitzen und unserem Exhibitionismus und unserer Eitelkeit freien Lauf lassen. Schließlich soll ja die “beste Freundin” schon wenigstens ein bisschen neidisch werden, wenn sie die Partyfotos mit der teuren Wohnungseinrichtung oder das neue Auto mit komplettem Nummernschild auf Facebook sieht.

Gaanz anders sieht es da schon aus, wenn auf meiner AOK-karte Daten von meinen Diagnosen, Medikamentenallergien oder Blutwerten stehen. Diese könnten ja dem Notarzt durchaus hilfreich sein, wenn ich nach einem brutalen Überfall verblutend im Berliner U-Bahnhof liege. Aber bitte nicht doch!!! Diese persönlichen Daten könnten ja in die Hände meines Arbeitgebers oder eines Finanz- oder BKA-Beamten fallen, welcher mich dann damit erpresst oder diskriminiert. Das geht natürlich überhaupt nicht!! Also lieber verblute ich auf dem Bürgersteig, weil der Notarzt erst irgendwo Akteneinsicht beantragen muss, um zu wissen, ob er mich behandeln darf, oder nicht. Im Übrigen, meine Schufa ohne meine Einwilligung zu ziehen, ob ich denn die Arztrechnung auch bezahlen kann, ist ja dann wieder weit aus weniger problematisch. Das verkürzt die Rettungszeit wenigstens etwas.

Ach ja und noch was! Ich setzte mich natürlich auch dafür ein, dass die Überwachungskameras im U-Bahnhof abgeschraubt wurden. Diese hätten den Täter zwar vielleicht abgeschreckt bei seiner Überführung helfen können. Aber den Anblick einer Überwachungskameraaufnahme, wie mir nachts am Bahnsteig der Schädel eingetreten wird, möchte ich meinem zukünftigen Enkelkind dann im Internet doch wirklich nicht zumuten. ….so ohne meine Einwilligung zur Veröffentlichung.

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